Meine Sicht auf Liga Vier (53)

Meine Sicht auf Liga Vier (53)

Einen gnadenlos subjektiven, aber nicht allzu ernst nehmenden Blick auf die Oberliga Baden-Württemberg wagt Sportskanone Erhard VerWunderlich

Folge 53: Nach dem 6. Spieltag der Saison 2018/2019

Ja, wie denn nun? Sechster Spieltag und trotzdem haben unsere verharzten Ballartisten aus der Markweghalle erst fünf Spiele absolviert? Des Rätsels Lösung ist ein gewollter oder ungewollter, gewitzter oder auch einfach nur scharadenhafter Schachzug aus dem Ermstal.

Als im Juni die Saison in Oberliga und dritter Liga zu Ende war und sich die leidgeprüften, weil nicht aufstiegsfeiernden SG- Fans in ihren Urlaub auf allen sieben Weltmeeren zurückzogen, nahmen Sie zumindest die Gewissheit auf zwei übernatürlich anziehungskräftige Derbys gegen den TV Neuhausen/Erms mit auf die Reise um den Erdball oder zumindest um das Gäu herum. Wie groß war aber dann doch die Überraschung nach der Rückkehr. Die Ermstäler entpuppten sich doch plötzlich als Ärmsttäler. War die finanzielle Schieflage schon vorher mit allerlei Spektakel in die Außenwelt getragen und gleichzeitig doch für die Oberliga gemeldet worden, zog sich der ehemalige Erst-, Zweit-, Dritt- und was auch immer für Ligist plötzlich auch aus der vierten Liga zurück. Auf den ersten Blick sogar nachvollziehbar.

Doch meistens sieht man mit dem zweiten besser, also dem zweiten Blick. Der Rückzug erfolgte (natürlich?) erst kurz nach dem Meldeschluss für Liga Drei. Das heißt im Klartext: Der TV Neuhausen/Erms steht noch vor dem ersten Spieltag als Absteiger fest. Alle Spiele gelten als verloren, also etwa fünf mehr, als wenn der TVN angetreten wäre, da wohl kaum noch Spieler da waren, die Punkte hätten holen können. Die Krux an der ganzen Geschichte ist nun aber, dass die Oberliga plötzlich nur mit 15 Teams ins Rennen geht. Jeder, aber auch jeder Verein kommt somit um die Einnahmen eines Heimspiels. Tausende und abertausende Euros gehen durch den entgangenen Verkauf von Eintrittskarten sowie von Lachs und Hummer an der Bewirtungstheke verloren. Und das ist nur eine vorsichtige Hochrechnung.

Rechnen wird sich das Ganze eigentlich nur für Zwei. Der Baden-Württembergische Verband streicht eine Strafgebühr ein, wovon der Vorstand wahrscheinlich ein einziges Mal schick essen kann, an der Würstchenbude. Der zweite Gewinner ist natürlich Neuhausen selbst. Ein Fall für Zwei praktisch. Ein Rückzug nach der Meldefrist ermöglicht somit den Start in der Württembergliga im nächsten Jahr. Ansonsten hätte der Beginn in der Liga der zweiten Mannschaft erfolgt, also der Landesliga. In diesem Falle hätte dann wohl Schmiden als Oberligarelegationsverlierer gegen Blaustein erneut Viertligaluft schnuppern dürfen. Für alle, also alle außer Neuhausen, wäre dies natürlich die bessere Lösung gewesen.

Und noch mindestens einen Verlierer gibt es in der Oberliga. Der Spielplan wollte es, dass die Neckarsulmer Sportunion am letzten Spieltag gegen Neuhausen angetreten wäre. Sollte die NSU nun aber am letzten Spieltag noch in irgendwelche wichtigen Platzierungsgerangel zugegen sein, ist sie nun zur Untätigkeit verurteilt. Das wäre bei sechzehn Teams natürlich kein Thema. Aber wie sagte schon ein ehemaliges Fußballidol aus Herzogenaurach: Wäre, wäre, Fahradkette.

Nun ja, gehen wir mal von einem Versehen der Verantwortlichen von der Erms aus, die diese Daten und Termine wohl in der Hitze des Frühsommers verschwitzt haben. Vielleicht wollten die Neuhausener aber auch nur den beiden Erstplatzierten, die am Ende der Saison in die Relegationsmühle müssen, zwei Spiele im Vorfeld ersparen.

Versehen ist wohl auch das richtige Wort beim Blick auf die Tabelle. Man glaubt, man hat sich versehen, dass zwei Aufsteiger da thronen, wo sonst, selbstverständlich, die SG H2Ku hingehört. Diese hat aber durch die rekordverdächtige Verletztenliste, die in etwa so lang ist wie der Mängelzettel des Berliner Flughaufen, kaum Chancen, den Platz an der Sonne zu erklimmen. Als im vorletzten Auswärtsspiel beim Spitzenreiter Konstanz, zur Anreise reichte fast ein Smart mit Fahradanhänger, die Bälle und die Spieler nur so um die Ohren flogen, fühlte man sich schon etwas an die Geschichte von Igel und Hase erinnert. Überall, wo ein Haslacher oder Auswärtiger hinkam, war schon ein Konstanzer Jüngling von 18 Jahren da. Die Auswechselbank war so voll, dass sogar noch Spieler vor der Halle Platz nehmen mussten. Zumindest wird das so überliefert.

Und trotzdem haben unsere Spieler in den letzten beiden Spielen sensationell die Kurve bekommen. Ich glaube da fest an Zaubertrank von Miraculix. Anders ist der Leistungssprung nicht zu erklären. Oder doch nur der Teamgeist, der in heiklen Situationen besonders gefragt ist?. Dann wird es allerdings äußerst schwierig, den derzeit verletzten Spielern zu erklären, dass sie auch nach der Genesung hinter der Bank oder vor der Halle Platz nehmen müssen. Siehe Konstanz. Und die sind schließlich Tabellenführer.

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