Meine Sicht auf Liga Vier (55)

Meine Sicht auf Liga Vier (55)

Einen gnadenlos subjektiven, aber nicht allzu ernst nehmenden Blick auf die Oberliga Baden-Württemberg wagt Sportskanone Erhard VerWunderlich

Folge 55: Nach der Saison 2018/2019

Und wieder ist eine Saison vorbei. Diesmal sogar etwas früher. Mit dem Rückzug von Neuhausen war zumindest klar, dass unsere SG H2Ku nicht Letzter in der Tabelle werden konnte. Somit war der ganz große Druck schon einmal weg. Sieht man sich die Krankenakte der Mannschaft dann noch an, darf man am Ende gar nicht mal so unzufrieden sein. Das gleiche gilt natürlich auch für meinen Jahresrückblick.

Wie immer wird jegliches Fachwissen außen vor gelassen, es entscheidet einzig und allein Subjektivität. Jeder Spieler hatte eine Saison lang Zeit, sich bei mir einzuschmeicheln. Pech für jeden, der dies nicht getan hat.

Sascha Marquardt: Inzwischen ist es auch offiziell bestätigt: Sascha ist der beste Kreisläufer der Liga („Hab ich doch schon immer gesagt“). Um sich beim Trainer für noch längere Einsatzzeiten zu empfehlen, nutzte er allerdings Alex Jobs öffentlich bekannte Liebe für elegante Heber seiner Spieler psychologisch schamlos aus. Man sah es ganz oft an Alex´s Freudentränen, wie gerührt er war, wenn unser Sascha den Ball wieder einmal über Torwart und Tor zirkelte und mit dieser Geste sportlich fair seine Überlegenheit nicht offen zur Schau stellte.

Finn Böhm: Der Kreisspieler hat sich weiter ein Stückchen herangekämpft an Sascha Marquardt. Waren die Einsatzminuten in der letzten Saison fast noch an einer Hand abzuzählen, brauchte man nun schon beide Hände. Und manchmal noch einen Fuß dazu. Vor allem fällt auf, dass Finn körperlich enorm zugelegt hat. Die Frage bleibt, ob dies alles Muskeln sind oder ob Finn einfach nur vor Spielbeginn wie bei einer Notwasserung mit dem Flugzeug an einer Rettungsweste unter dem Trikot zieht.

Alexander Zürn: Man kann es drehen und wenden, wie man will. Unser Alex ist mit Abstand der beste Rechtsaußen, den die SG in den letzten zwei Jahren hatte. Die Konkurrenz auf dieser Position biss sich zu Dutzenden die Zähne an unserem Leichtgewicht aus. Wie jedes Jahr wurde “Hansjörg“ auch in dieser Saison wieder einmal ein kleines Stückchen besser. Vor allem sein inzwischen perfektioniertes Mienenspiel nach Fouls an ihm („Schiri, klare rote Karte“) in Richtung Unparteiischer brachten immer einen Strafwurf oder zumindest Mitleid ein. Fähigkeiten, die Alex später sicher einmal in seriösen Berufen wie Grundschullehrer, Pferdeflüsterer oder Heiratsschwindler durchaus gute Dienste leisten könnten.

Nicolas Rhotert: Nicolas hat wohl von allen Spielern im Team den größten Sprung gemacht. Dachte man zu Saisonbeginn noch, er könne als Torwart bestimmt kein Spiel alleine entscheiden, hat er dieses Vorurteil im Laufe der Saison eindrucksvoll bestätigt. Aber das wird kommen, ich weiß es. Er könnte mal in Herrenberg ein ganz Großer werden. So um die 1,95 m. Was noch fehlt, um in die Fußstapfen von einstigen Legenden zu passen, ist natürlich noch die stilechte Frisur. Das könnte aber natürlich auch die Zeit von alleine erledigen.

Max Fuhrmann: Max „Ich will nicht rechter Rückraum spielen“ Fuhrmann hat gerade in der zweiten Halbserie gezeigt, wo seine sportlichen Neigungen liegen, nämlich im linken Rückraum. Zum Ende der Saison hat das endlich auch sein Trainer eingesehen und ihn von Halbrechts abgezogen. Seitdem zeigt Max überzeugende Leistungen. Da dieses Verhalten insgesamt aber einstimmig als vorsätzliches Nichterbringen einer zugesagten Leistung eingestuft wurde, wird Max in ein abseits gelegenes Erziehungscamp mit Kontrolle durch die ganze Mannschaft geschickt. Spontan fiel hier die Wahl auf das nahezu unerforschte Eiland Mallorca.

Janne Böhm: Janne „Ich will aber auch nicht rechter Rückraum spielen“ Böhm ist wohl mit dem Begriff Rohdiamant gut umschrieben. Das hat das knappe halbe Jahr seiner Zugehörigkeit zum Männerteam eindeutig gezeigt. Er ist fast ein Pendant zu Max Fuhrmann, was die Vorliebe für die halblinke Position betrifft. Körperlich trennen die beiden allerdings noch Welten. Da muss der Youngster schon noch etwas zulegen und Gewicht und Muskeln aufbauen. Dabei kommt ihm dann hoffentlich seine Beweglichkeit zugute, wenn er am familiären Abendbrottisch schneller an der Eiweißnahrung ist als sein Bruder Finn. Sollte Janne ebenfalls absichtlich nur auf Halblinks überzeugen wollen wie Max, kommt wegen seines Alters dann natürlich keine Erziehung auf Mallorca in Frage, sondern logischerweise nur Legoland in Günzburg.

Jannis Mezger: An Jannis hatten wir sportlich gesehen durch seine langwierige Verletzung nur eine kurze Freude. Natürlich wünscht die ganze Mannschaft, dass er zur neuen Saison wieder angreifen kann. Schon allein deshalb, weil nun wirklich niemand ernsthaft auf Halbrechts spielen will. Andererseits konnte er so seine wahre Berufung finden: Das Organisieren der Auswärtsfahrten mit dem Bus. Bis heute ist nicht ein einziger Vorfall überliefert, der darauf hinweist, dass auch nur einmal das Benzin ausging oder zu wenig Luft in den Reifen war. Respekt

Christian Dürner: Jeder hat so seine Vorgehensweise, um möglichst clever an Schnäppchen zu kommen. Chris hat dafür eine äußerst effektive Form für sich entdeckt: Abschiedsgeschenke. So konnte unser scheidender Spielmacher allein in Herrenberg durch insgesamt drei Abschiede schon unzählige Bilder, Fotobücher und Gutscheine abgreifen. Und das völlig kostenlos! Wofür Otto Normalverbraucher teilweise bis zu dreißig Euro hinblättern muss, hat Chris mal ebenso mit nur zwanzig Jahren Leistungshandball nebenher hinbekommen. Es kann natürlich auch gut möglich sein, dass der inzwischen 37- jährige all das durch seine Leistung und sein Auftreten mehr als verdient hat. Wer weiß das schon.

Christian Rau: Ciao Chrissi. Der Haslacher wird uns allen als untadeliger Sportsmann fehlen. Mir hat er es in meinem Jahresrückblick leider immer etwas zu leicht gemacht. Natürlich zu Unrecht. Für den Bomber auf Halbrechts war Fitness selbstverständlich nie ein Fremdwort. Um es mir und allen Kritikern nach dem Ende seiner großartigen Karriere noch einmal richtig zu zeigen, trainiert er ab sofort für seinen Start beim Berlin-Marathon im Herbst. Dort will er es unbedingt allen Kritikern eindrucksvoll zeigen. Zum Kennenlernen natürlich erst einmal im Bambinilauf über 1,4 km.

Yannik Schopp: Yannik ist sicher, zumindest gefühlt, der schnellste Spieler in der Mannschaft. 8,9 Sekunden über 100 m dürften durchaus realistisch sein. Gerade als König der vorgezogenen Abwehr zeigte unser Neuzugang seine Stärken. Sah seine Spielweise auf den ersten Blick oft wie ein planloses Sprinten zwischen den gegnerischen Angriffsspielern aus, entpuppte es sich auf den zweiten Blick dann tatsächlich als planloses Sprinten zwischen den gegnerischen Angriffsspielern. Hat aber gewirkt. Auch im Angriff bekamen die Gegner sein Tempo nicht in den Griff. Dass diese oft nicht rechtzeitig aus dem Weg springen konnten („Ich bin nun mal so flink“) und das auch oft noch als Stürmerfoul durch Yannik von den Schiedsrichtern fehlinterpretiert wurde, grenzt derweil schon an eine Unverschämtheit.

Sandro Münch: Mehr Shooter geht nun wirklich nicht. Wäre bei Sandro nicht die schlimme Verletzung dazwischen gekommen, er würde wahrscheinlich noch heute, Wochen nach Ende der Saison, Tore werfen. Notfalls auch ohne Gegner und in leeren Hallen. Der Neuzugang aus Pforzheim hat den Weggang von Nickel Maas mehr als wettgemacht, da er sogar fast noch einmal ein Stück mannschaftsdienlicher gespielt als sein Vorgänger auf der Königsposition. Die Statistik weist es eindeutig aus. Sandro traf alle vier Sekunden. Hab ich zumindest so ausgerechnet.

Dominic Rose: Die Leidensgeschichte von „Dome“ begleitet uns nun auch in dieser Saison. Ein halbes Jahr lang spielte sich unser Spielmacher in die Herzen und die Statistikbücher zum Nachlesen für nachfolgende Generationen. Sein inzwischen zwölfter Kreuzbandriss ist aber trotzdem nicht das Ende. Zur neuen Saison kommt er natürlich wieder, dann aber für mindestens eine ganze Saison. Körperlich wird er sicher keine Anlaufphase brauchen, da er scheinbar als Kind mal in den Bottich mit dem Zaubertrank von Miraculix gefallen ist.

Marvin Heinz: Marvin ist ganz klar die Nummer 1 im Tor. Und das auch zurecht. Noch kann er sich den Angriffen seines jungen Kontrahenten im Gehäuse erwehren. Was natürlich gar nicht geht, ist seine optische Außendarstellung. Ein blauer Mundschutz würde es sogar einem guten Fotografen, der zum Glück in der Markweghalle weit und breit nicht in Sicht ist, absolut unmöglich machen, während des Spiels professionelle Bilder zu schießen. Klar, für Schockbilder auf Zahnpastatuben wäre damit eine echte Marktlücke geschlossen. Aber insgesamt ist eine Entwicklung sehr bedenklich, in der Gesundheit vor gutem Aussehen geht. Oder? Zu „Murphys“ Verteidigung muss man natürlich einräumen, dass seine Mannschaftskollegen mit eben einem solchen Zahnschutz nun wahrlich nicht besser aussehen. Marc Baumgartner, die Mutter aller Handball-Mundschutze, lässt grüßen.

Andi Kohler: Schon immer war es Andis Traum, hochklassig Handball zu spielen. Diesen Traum erfüllt er sich nun bei der HSG Böblingen/Sindelfingen. Das hätte der schmächtige Wirbelwind zwar auch in Herrenberg machen können, aber Mitspieler von ihren Positionen zu verdrängen, ist nun wahrlich Andis Art nicht. Persönlich war ich immer wieder beeindruckt von den zwei Kohlers auf dem Parkett und daneben. Fast wie Dr. Jekill und Mr. Hyde. Oder Popeye nach dem Verschlingen von Spinat. Leider übersah das Kampfgericht wegen seiner Körpergröße das eine oder andere Tor. So sollten dann auch demnächst die drei Saisontore auf 142 korrigiert werden.

Marvin Seeger: Schöne Tore, tolle Tempogegenstöße, Trickwürfe. Das alles hätten wir gerne von unserem Linksaußen gesehen. Haben wir auch. Allerdings nur eine Halbserie lang. Im zweiten Saisonabschnitt ereilte Marvin dann eine akute Leistungszerrung. Beim Blick in die Statistik werden aber schnell die Hintergründe klar. Von wegen Formkrise. Da sein WG-Kumpel Dominic Rose nach seiner Verletzung in der Torschützenliste keinen Stich mehr machen konnte, war das für Marvin Anlass genug, aus Solidarität nicht mehr Tore zu werfen als Dominic. Und siehe da: Am Ende der Saison stehen beide Spieler bei exakt neunzig Treffern. Eine Aktion, für die Marvin eigentlich den Fairplay-Preis des Jahres bekommen müsste.

Jan Kussmann: Langsam, aber sicher reift unser Jan zum Abwehrspezialist. Das würde dem Halblinken (schon wieder einer?) aber fast ein wenig unrecht tun. Dafür ist er eigentlich zu gut in der Offensive. Bei etwa 2,10 Meter Körpergröße, gesellen sich leider auch immer mal wieder Verletzungen des Bewegungsapparates wie zum Beispiel Kopfschmerzen hinzu. Was auffallend ist: Jan hat sich in dieser Spielzeit zu einem der emotionalen Leader im Team gemausert. Was eigentlich sehr positiv ist, hat allerdings auch einige Nebenwirkungen. Besonders die Gehörgänge seiner unmittelbaren Nebenspieler sind den unzulässigen Geräuschpegeln fast schutzlos ausgeliefert. Das würde dann auch bisweilen auftretende Abwehrlücken erklären.

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