Gründerjahre

(1930 - 1948)

Schon vor dem Jahr 1930 wurden in Haslach Aktivitäten entwickelt, einen Turnverein zu gründen. Einige Zeit vorher besuchten mehrere junge Männer aus Haslach, gemeinsam mit Turnern aus Gültstein und Herrenberg, Übungsabende in Gültstein, selbstverständlich zu Fuß oder mit dem Fahrrad (sofern vorhanden).

Abwechslungsweise kamen auch die Turnkameraden aus Gültstein und Herrenberg zu Übungsabenden in den Turnsaal der Haslacher Schule. Die Übungsstunden wurden in der Regel von Turnwart Karl Wurster aus Gültstein geleitet.

Turnfest in Leonberg 1932

Turnfest in Leonberg 1932

Dies ist das älteste Bild, das wir bislang erhalten konnten

Am 12. Januar 1930 wurden bei einer Zusammenkunft der Initiatoren die Weichen für die Vereinsgründung gestellt. Die offizielle Gründungsversammlung des Turnvereins Haslach fand am 9. Februar 1930 im Schulhaus Haslach statt. Der Verein bestand nach der Gründungsversammlung aus 22 aktiven Turnern und 8 passiven Mitgliedern. Der Vereinsbeitrag betrug 1 RM vierteljährlich.

Schon im April 1931 wurden bei einem Werbeturnen in Öschelbronn einige Haslacher Turner als Sieger gekürt. Im Herbst fand das Abturnen (Vereinsmeisterschaft) auf dem Grummert statt. In der Weihnachtszeit wurden Weihnachtsfeiern mit Vorführungen von Theaterstücken durchgeführt.

Die Frauenriege

Die Frauenriege

Untere Reihe von links: Emma Hörmann, Rosa Höhn, Julie Mößner. Berta Schneider;obere Reihe: Erna Hammer, Hilde Hörmann, Helene Kienzle, Lydia Haas, Maria Eipperle.

1932 wurde eine Frauenriege gegründet, diese stand ebenfalls unter der Leitung von Turnwart Ernst Ulmer. Über die Damenriege und ihre Rolle im Turnverein Haslach sind keine Aufzeichnungen vorhanden. Letztmals erwähnt wurde sie 1935.
Nach Berichten von damaligen aktiven Frauen musste sich die Riege auflösen, da keine Bereitschaft vorhanden war, dem Bund Deutscher Mädchen beizutreten.

Das deutsche Turnfest in Stuttgart, am 28. Juli 1933, war für die Turner ein großes Erlebnis. Die Vorbereitungen hatten sich ausgezahlt, denn die Turnerriege konnte einen vielbeachteten 1. Preis mit nach Hause nehmen.

In dieser Zeit wurde ein Spielmannszug ins Leben gerufen. Drei Trommler und acht Pfeifer sorgten nun für die Musik. Im Turnsaal wurden die Proben abgehalten. Es ist nicht überliefert, ob bei der Ortspolizei Anzeigen wegen Nachtruhestörungen eingegangen sind.

Auch auf Bildern ist heute noch zu sehen, dass dieser Spielmannszug bei Veranstaltungen aktiv mitgewirkt hat. Nachdem Hans Hörmann im Jahre 1934 auf der deutschen Turnschule in Berlin einen Lehrgang absolviert hatte, übernahm er nun das Amt des Turnwarts von Ernst Ulmer. 1935 mischten auch die Frauen im Vereinsleben kräftig mit. Beim Abturnen auf dem Grummert nahmen 10 aktive Frauen, 21 Männer und 18 Jugendliche teil.

Am Sonntag, den 8. Mai 1938 wurde anstatt eines geplanten Waldlaufes eine Schnitzeljagd veranstaltet. 5 Turner machten sich um 7 Uhr in der Frühe als Füchse auf den Weg. Eine halbe Stunde später rückte die restliche Mannschaft als Jäger ohne Gewehr den Füchsen auf den Leib. Es war eine wilde Jagd, die auch auf Fehlspuren führte. Als die scheinbar richtige Spur gefunden war, ging es nun durch den Kuppinger und Sulzer Wald in Richtung Sulz. Das Schicksal ereilte Meister Reineke, weil er Durst bekommen hatte, im Gasthaus zum "Rössle« in Sulz. Eine Flucht war ausgeschlossen, weil auch die Jäger ihren Durst löschen mussten. Nach längerer Beratung wurde eine zweite Jagd veranstaltet. Die Spuren waren nun sehr verwirrend gelegt. Die Jäger irrten in unbekanntem Wald und Flur umher. Da sich unter den Jägern einige “Fußkranke” befanden, wurde der Entschluss gefasst, die Jagd aufzugeben.

Abturnen auf dem Grummert 1935

Abturnen auf dem Grummert 1935

Aus den schriftlichen Berichten der Jahre 1936 1939 kann entnommen werden, dass auch der politische Einfluss auf das Vereinsleben in diesen Jahren zum Ausdruck kam.

In einem letzten Bericht im Jahre 194O, nach Beginn des 2. Weltkriegs, blickt Vorstand Wilhelm Eipperle auf das 10-jährige Bestehen des TV Haslach zurück. Er berichtet vom Kampf um das Dasein in den ersten Jahren nach der Vereinsgründung. Er erinnert an Lorbeeren und Eichenkränze, die von den Turnerriegen errungen wurden.

Besonders erinnert er sich an den großen Erfolg der Turner beim Deutschen Turnfest 1933 in Stuttgart. In diesem Zusammenhang erwähnt er die erfolgreiche Arbeit von Oberturnwart Ernst Ulmer. Auch auf die Wechsel in der Vereinsführung wird hingewiesen.

Gauturnfest in Ludwigsburg 1939

Gauturnfest in Ludwigsburg 1939

Am Ende seines Berichts nennt er die Namen der Vereinsmitglieder, die dem Stellungsbefehl folgen mussten. Der Bericht schließt mit der Hoffnung, dass alle heil und gesund wieder in die Heimat zurückkehren dürfen.

Durch den Einzug der aktiven Vereinsmitglieder zum Kriegsdienst war ein geregeltes Vereinsleben nicht mehr möglich. Außer einigen Eintragungen in das Kassenbuch des TV Haslach sind keine Aufzeichnungen aus den Kriegsjahren vorhanden.

Nach 8-jähriger Pause bestand in Haslach offensichtlich wieder der Wunsch, Sport zu treiben. Einige der “alten” Mitglieder und etliche junge Burschen entwickelten Aktivitäten zur Neugründung des Turnvereins Haslach.

Dieser Schritt wurde am 20. März 1948 im Gasthaus zum “Hirsch”, vollzogen. Der alte Vorstand Wilhelm Eipperle wurde wiedergewählt; zum 2. Vorstand Bürgermeister Wilhelm Ulmer, zum Kassier Erich Schmid, zum Schriftführer Hans Egeler, zum 1. Turnwart Martin Aichele und 2. Turnwart Hans Kaufmann. Außerdem wurden vier Ausschussmitglieder gewählt (Rudolf Sattler, Reinhold Däuble, Rudi Ulmer und Willi Bökle). Die Übungsabende wurden auf Dienstag und Samstagabend (!) festgelegt. Der Verein bestand zum Zeitpunkt seiner Neugründung aus 50 Mitglieder, davon 14 Aktiven, 17 Passiven und 19 Jugendlichen. Die Jahresbeiträge betrugen damals 3,00 DM bzw. 1,50 DM für Jugendliche.

An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass der Verein im Frühjahr 1948 21 Mitglieder an Gefallenen und Vermissten zu beklagen hatte (1939 zählte der Verein 24 aktive und 22 passive Mitglieder). Außerdem waren noch 6 weitere Mitglieder, darunter Turnwart Hans Hörmann, in Gefangenschaft.

Diesen Kameraden widmete der alte und neue Vorstand Wilhelm Eipperle im Protokollbuch des Turnvereins eine Ehrengedenkseite und ermahnte die Jugend trotz aller Schwierigkeiten das einzig verbliebene, nämlich das Leben und die Gesundheit, durch Leibesübungen zu erhalten.

Zunächst stand Turnen und Leichtathletik im Vordergrund, daneben wurde ein wenig Handball gespielt. Doch das Interesse am Turnen ließ vor allem bei den Jüngeren bald nach.

Der Vorstand und Gründungsmitglieder nach der Gründungsversammlung:

1. Vorstand Wilhelm Lohrer, Turnwart Ernst Ulmer, als Kassier Wilhelm Egeler und Schriftführer Hugo Gräther.

Als weitere Gründungsmitglieder sind folgende Namen überliefert :

Martin Däuble, Otto Däuble, Wilhelm Däuble, Wilhelm Eipperle, Adolf Gräther, Erwin Gräther, Fritz Gräther, Martin Gräther, Albert Hammer, Wilhelm Hämmerle, Eugen Härther, Otto Härther, Wilhelm Hirth, Hans Hörmann,Walter Hörmann, Karl Kaiser, Ernst Kohler, August Reichert, Jost Roller, Karl Sattler, Rudolf Sattler, Gottlieb Ulmer, Rudolf Ulmer und Georg Wagner.

Weitere Bilder

1932

Wanderung Bad Teinach Pfingsten

Gauturnfest Möhringen

Gauturnfest Möhringen

1933

Turner und Spielmannszug unterwegs

Deutsches Turnfest Stuttgart

Abturnen mit Festzug

1938

Vereinsbild mit Spielmannszug

Kreisturnfest Tübingen

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